Erstmals hatten wir im Sommer 2025 ein Crowdfunding-Projekt gestartet. Gemeinsam mit unseren Freunden und Förderern haben wir es möglich gemacht, die Lebensbeschreibung der Lehrerin und Eurythmistin Lola Jaerschky (1902–1991) aus dem Jahr 1941 herauszugeben. Daraus entstand ein eindrucksvoller Bericht einer Verfolgten des Nationalsozialismus, die inmitten von Leid und Gefahr dennoch Sinn und Aufgabe fand und so den Krieg seelisch unbeschadet überstehen konnte. Ein Mutmachbuch!
Impressionen der Buchpräsentation vom 24. April 2026 in der Papageiensiedlung in Berlin-Zehlendorf (Onke-Tom-Siedlung), in der Lola Jaerschky und ihre jüdische Mutter Rosa Zacharias-Jaerschky von Gertrud und Anna Schoenberner von 1944 bis Kriegsende versteckt gehalten wurden. Die Zivilcourage der Schoenberners soll nun Teil einer Gedenkkultur innerhalb der Nachbarschaft werden. Weitere Veranstaltungen dazu sind in Planung.
(v.l.n.r.: Nicolas Basse, Journalist; Petra Risau, heutige Bewohnerin des Schoenberner-Hauses im Deisterpfad; Margrit Gunkel, Leserin und Schülerin Lola Jaerschkys an der Rudolf-Steiner-Schule in der Clayallee; Peter Amsler, Verleger des Erzählverlags und Lektor des Jaerschky-Buches.)
Wer war Lola Jaerschky?
Lola Jaerschky (1902–1991) war Lehrerin an der Rudolf-Steiner-Schule in Berlin-Dahlem und Eurythmistin. Zeit ihres Lebens engagierte sie sich in der anthroposophischen Bewegung und trat als Autorin und Herausgeberin hervor. Als sogenannte “Halbjüdin” entschied sie sich im Jahr 1934, die Schule aus freien Stücken zu verlassen, um die Existenz der Freien Waldorfschule unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht zusätzlich zu belasten. Im Jahr 1941 wurde sie “wegen Gefährdung der inneren Front” festgenommen und “bis auf Weiteres” inhaftiert. Sie verbrachte mehrere Wochen im berüchtigten Gestapo-Gefängnis am Alexanderplatz, bevor sie ins KZ Ravensbrück überführt wurde. Glückliche Umstände im Umfeld des "Unternehmen Sieben" führten dazu, dass sie dank der Intervention Admiral Wilhelm Canaris' in Freiheit kam und ab 1944 bis zum Ende der Gewaltherrschaft zusammen mit ihrer Mutter von Gertrud und Anna Schoenberner im Deisterpfad 31 in Berlin-Zehlendorf versteckt gehalten wurde. Die israelische Gedenkstätte Yad Vashem hat die Schoenberners nach ihrem Tod als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt – als zwei von nur etwas mehr als 650 Deutschen. Die Auszeichnung erfolgte am 27. August 1997.
Zum Buch
In ihrem 216-seitigen Manuskript beschrieb Lola Jearschky erst nach Kriegsende ihre Erlebnisse, insbesondere wie sie immer wieder eindrucksvoll versuchte, die Zeiten größter Not in ihren geistigen Entwicklungsweg zu integrieren, um ihren Erfahrungen in Haft und KZ einen Sinn abzuringen. Die Zeit in Gefangenschaft ermöglicht es ihr, die Rolle einer Beobachterin einzunehmen, selbst wenn sie mitten im Geschehen war. Diese so gewonnenen Wahrnehmungen lieferten ihr Antworten auf wesentliche Fragen, die ihren geistigen Weg berührten. In Gefangenschaft zeigte sie, wie freies Denken wirkt! – So entstand ein Dokument der Zeitgeschichte, das bis heute zu Ergebenheit und Widerstandskraft inspiriert. Lola Jaerschky verfasste das Manuskript in zwei Phasen ihres Nachkriegslebens, anschaulich und lebendig – ein spannend zu lesender "Pageturner", der zum Nachdenken anregt.
"Angesichts der inzwischen weit verbreiteten Tendenz, Anthroposophen während des Hitlerregimes pauschal in der Rolle der Mitläufer oder Täter darzustellen und damit zugleich die Anthroposophie zu diskreditieren, ist es berechtigt und notwendig, auch Beispiele für den „inneren Widerstand“ zu überliefern. Lola Jaerschkys Erinnerungen gehören zu jenen zeitgeschichtlichen Dokumenten, die das christlich-humanistische Fundament der Anthroposophie eindrücklich bezeugen."
Wolfgang G. Vögele
Ich fragte und lernte
Erlebnisse aus meiner Häftlingszeit in Gestapo-Haft und im KZ Ravensbrück 1941
Mit einem Nachwort von Peter Selg
Reihe Biografie, Bd. 3
314 Seiten, 16,5 x 23,5 cm, Softcover mit Vergee-Umschlag
ISBN 978-3-947831-73-9
Artikel-Nr. 79-3173
15,00 € (D) 15,50 € (AT)
Veranstaltungen
Lesung mit Margrit Gunkel
Leipziger Buchmesse
Freitag, 21. März 2026
20.00 Uhr
Die Christengemeinschaft in Leipzig
Schenkendorfstraße 3
04275 Leipzig
Lesung mit Margrit Gunkel
Leipziger Buchmesse
Samstag, 22. März 2026
12.00 Uhr
Forum Literaturlandschaft
Halle 4, C205
Lesung mit Margrit Gunkel
Frisierkunst
Nachbarschaftstreff in der Papageiensiedlung (in der Lola und Rosa Jaerschky bis Kriegsende versteckt gehalten wurden)
Riemeisterstraße Ecke Wilskistraße
14169 Berlin-Zehlendorf
Gespräch zwischen Margrit Gunkel und Anja Tuckermann (Damals in der Rosenstraße. Als Frauen und Kinder sich gegen die Nazi-Diktatur stellten. Fischer Sauerländer 2026). Moderation: Peter Amsler, Der Erzählverlag
Samstag, 27. Juni 2026
16.00 Uhr
Berliner Bücherfest
Bebelplatz
10117 Berlin-Mitte







